Frühjahr 2016 - die Obstblüte geht los !

 

Unsere Bioland Obstbauern hatten die Bienen zur Bestäubung angefordert, doch als wir die Völker in die erste Plantage in Engelschoff brachten, da begann es zu schneien. Aber die Mädels hatten Glück, am nächsten Tag war der Schnee weg und eine sonnige Zeit von der ersten bis zur letzten Blüte begann.

Bestäubung - Das Nutztier Honigbiene sucht Partner

 

 

Als Mitglied des Bioland-Verbands sind wir alle sicher an einer ökologischen Landwirtschaft interessiert. Doch dass ein mehr an Ökologie auch ein Plus an Ökonomie ist, ist oft nicht bekannt.

Die Bienen sind der Schlüssel zum Erfolg, wenn sich Imker und Bauern treffen und gemeinsam eine Partnerschaft zum gegenseitigen Erfolg eingehen.

Dass wir Imker diese Partnerschaft im Besonderen zu Biolandbauern suchen, liegt zum Einen an unseren Richtlinien im Verband. So dürfen Bioland-Imker ihre Bienenvölker nur in Obstplantagen des ökologischen Landbaues aufstellen. Bei Ölsaaten, Klee, Gemüsekulturen oder Buchweizen wäre dieses nicht zwingend geboten, doch als Imker sind wir stetig bemüht, die mögliche Kontamination des Honigs und der Bienen mit ihrer Brut, frei von Spritzmitteln zu halten. Das Ziel der höchst möglichen Qualität, können wir nur im ökologischen Landbau finden. Daher suchen wir ständig ökologische Betriebe, welche uns die Aufstellung unserer Bienen erlauben. Um passende Flächen zu finden und zueinander zu kommen, besteht auf der Homepage von Bioland die Möglichkeit, sich zu finden.Unter der Rubrik: Warenbörse für Erzeuger und Hersteller finden Sie den Icon Tiere. Darunter den Icon Bienen und schon können Sie ihre Suchanzeige oder Angebot von Bienen zur Bestäubung einstellen.

 

 

 

Aber warum sollen Sie als Biolandbetrieb mitmachen?

 

Die Honigbiene ist der wichtigste Bestäuber in unseren Kulturpflanzen. Durch ihre Bestäubungsleistung erhöhen sie den Ertrag in allen Obst- und Pflanzenkulturen. Bei kostenintensiver Produktion im Obst oder Gemüseanbau, kann durch die gezielte Bestäubung eine Ertragssteigerung von 20-30% erreicht werden. Hinzu kommt, dass die Qualität der Obst- und Gemüseerzeugnisse deutlich verbessert wird. Wird Saatgut produziert und gezielt bestäubt, dann verbessert sich signifikant die Qualität, was sich in den Keimraten zeigt. Zusätzlich wird durch die Bienenbestäubung eine einheitlichere und gleichmäßigere Reife der Erzeugnisse erreicht und man hat somit auch weniger Verluste bei der Ernte und braucht nicht zu verschiedenen Zeiten ernten.

 

Betrachtet man jetzt Quantität und Qualität zusammen, dann kann man durch die Bestäubungsleistung der Honigbienen eine Vervier- bis Versechsfachung des Gesamtgewinns erreichen. Dieses beruht auf dem Einsatz von weniger Saatgut in Bezug zum Ertrag, dem einheitlichen Erntezeitpunkt mit resultierenden verminderten Verlusten bei der Ernte und dem verbesserten Erlös beim Verkauf, da die Qualität und Handelsklassen höher sind.

 

Für die wichtigsten Kulturen sind in der nachstehenden Tabelle der Mehrertrag oder sonstige Auswirkungen zusammengefasst und die benötigte Völkerzahl für eine optimale Bestäubung pro Hektar angegeben:

 

Apfel - Ohne Bienen 10% Fruchtbildung mit Bienen 65% Fruchtbildung, bessere ausgeformte Früchte (3-4 Völker/ha)

 

Birne - Mit Bienen dreifacher Ertrag (3-4 Völker/ha)

 

Bohnen - Mit BIenen 21% höheres Samengewicht und 6% höheres Hülsengewicht (2-3 Völker/ha)

 

Buchweizen - Ohne Bienen 6,7 % Samenbildung, mit Bienen 55,7 % Samenbildung (4-5 Völker/ha)

 

Erdbeere - Ohne Bienen 50-59 % Fruchtbildung, mit Bienen 80 %. Gesamtertragssteigerung 107 % (1-2 Völker/ha)

 

Heidelbeere - Mit Bienen wird die Fruchtbildung um 31 % erhöht (7-8 Völker/ha)

 

Himbeere - Ohne Insekten 16-70 % Fruchtbildung, mit Bienen 64-98 % Fruchjtbildung. Ohne Bienen kann der Ertrag um 70-80 % fallen. (2 Völker/ha).

 

Karottensamen - Ohne Bienen 367kg/ha Ertrag, mit Bienen 864 Kg/ha Ertrag. Ohne Bienen Keimfähigkeit 88%, mit Bienen 96% (7-8 Völker/ha).

 

Kirsche - Mit Bienen 67 % mehr Fruchtansatz (4-5 Völker/ha).

 

Kiwi - Mit Bienen Steigerung des Fruchtgewichts um 21,4g (8 Völker/ha)

 

Kleesamen - Ohne Bienen 1 Samen/Blühkopf, mit Bienen 56 Samen/Blühkopf (7-7 Völker/ha)

 

Raps - Ohne Bienen 1-10 Samen/Schote. Mit Bienen 15-30 Samen/Schote und früheres Abblühen, bei höherem Ölgehalt (7-9 Völker/ha).

 

Sonnenblume - Ohne Bienen 81 Samen/Blühkopf - Ölgehalt 28%. Mit Bienen 503 Samen/Blühkopf - Ölgehalt 42% (2-3 Völker/ha)

 

(Quelle Wissenschaft DBJ 2011)

 

Zu diesen messbaren Zahlen kommt noch der ökologische Nutzen hinzu, der auch einen ökonomischen Nutzen hat.

 

Dieser Nutzen beruht auf der Wechselwirkung zwischen Ameisen und Bienen. Die räuberischen Ameisen können nachweislich die Massenvermehrung von Pflanzenschädlingen verhindern. Dazu zählen Raupen und andere Fraßschädlinge. Damit aber eine ausreichende Anzahl von Ameisenkolonien und möglichst große Kolonien vorhanden sind, benötigt die Natur Bienen. Es ist nachgewiesen, dass durch die kurzlebigen Bienen in der Nähe von Ameisenvölkern, deren Nahrungsversorgung durch die absterbenden Bienen deutlich verbessert ist und die Ameisenvölker wesentlich größer werden als ohne Bienen in der Nähe.

 

Ein weiterer ökologischer Effekt beruht auf der Düngewirkung der Bienenvölker. Da eine Biene im Frühjahr bis Sommer nur ca. 6 Wochen alt wird, ein Volk zwischen 40-60.000 Bienen enthält und somit beständig Bienen sterben und der Natur als Dünger zur Verfügung stehen, kommt es zu einem nicht unwesentlichen Düngeeffekt. Ein Stand mit 30 Bienenvölkern produziert im Jahr rund eine Tonne organischen Dünger.

 

Wenn man sich nun als Bauer seinen Nutzen einmal vor Augen hält, dann sollte man sich fragen, warum man nicht schon lange Bienen im eigenen Betrieb zur Bestäubung eingesetzt hat, die von einem Imker zur Verfügung gestellt werden. Um diesen Umstand zu verbessern, wäre eine Rubrik: Bauer sucht Imker und Imker sucht Bauer im Biolandportal, wünschenswert. Zur Zeit kann diese Suche aber unter der Warenbörse für Erzeuger und Herstelller - Tiere - Bienen erfolgen.

 

Es dürfte aber verständlich sein, dass wir Imker dieses in den seltensten Fällen umsonst machen können. Die Blühperiode ist für uns Imker kurz, wir müssen gezielt versuchen, durch die Anwanderung von möglichst lohnenswerten Kulturen, unsere Ernte einzubringen. Verzichten wir dann vielleicht auf eine Massentracht, um Obst oder Saatgut zu bestäuben, dann muss der damit verbundene Minderertrag und der teils höhere Arbeitsaufwand ausgeglichen werden, da der Gewinn nicht nur auf der Seite des Landwirts liegen kann. Wenn man den Ertrag aus der Obstblüte sieht - ca. 15kg, dem Gegenüber den Ertrag, aus dem zeitgleich blühenden Raps mit ca. 40-45kg, dann verzichten wir auf 25-30 kg Honigertrag (ein Glas Raps 500g kostet bei uns 7,00 €) und somit auf ca. 350 - 420 €.

Auch ist der Aufwand einer Wanderung und die damit verbundenen Kosten größer, als wenn ich meine Bienen auf einem Ganzjahresstand stehen lasse. Warum wir Imker trotzdem ein Interesse an einer Bestäubungstätigkeit haben, liegt auch daran, dass wir unser Sortenangebot an Honig erweitern können. Dieses verbunden mit einer Prämie zur Bestäubung, kann einen möglichen Minderertrag ausgleichen. Im letzten Jahr bewegten wir uns mit den Prämien, für die Dauer von 10 Tagen bis drei Wochen, im Rahmen von 35-65 € netto je Volk. Dieses für ein Wirtschaftvolk von mindestens 4-6 Brutwaben zum Beginn der Obstblüte.

 

Diese Blühprämie liegt aber unter den Einbußen durch einen geringeren Honigertrag und deckt auch nicht die Kosten für die Mehrarbeit durch eine vernünftige Völkeraufstellung. Für ein Bienenvolk zur Obstblütenbestäubung sollten mindestens 75€ brutto gezahlt werden. Dieses ist dabei nichts, wenn man den Gewinn für den Obstbauern sieht. Dieser liegt durch den Mehrertrag, der besseren Qualität und einem gleichmäßigeren Reifezeitpunkt - abzüglich seines Verlustes während der Lagerung, bei 1500 € - 3000 € pro Hektar - in Abhängigkeit seiner Intensivität in der Plantage.

 

In Holland versucht man, uns Imker zur Zeit durch wesentlich höhere Prämiem, z.B. 85 € für die Heidelbeerbestäubung, für eine Anwanderung ins Nachbarland zu gewinnen. Dieses scheidet zwar für uns Biolandimker aus, denn Bioland produziert in Deutschland, aber es zeigt die dort bereits weit verbreitete Einsicht, sich Bienen zur Bestäubung zu sichern und den Trend, den wir auch hier in der Landwirtschaft erleben werden.

 

Damit eine Kooperation zwischen Bauer und Imker von Erfolg gekrönt ist, sollten beide ggf. einen Vertrag abschließen. Dieser soll dem Bauern Sicherheit geben, nicht nur halbleere Kästen geliefert zu bekommen, sondern es sollte die Mindestgröße eines Bienenvolkes definiert sein. Dieses geht am besten über die Anzahl der Brutwaben, da man diese im Zweifelsfall kontrollieren kann. Als Richtwert können vier Brutwaben in der Kirschblüte oder vier bis sechs Brutwaben zur Apfelblüte herangezogen werden.

Auch die Dauer des Aufenthaltes der Bienen zur Bestäubung sollte klar geregelt sein, da mit der Dauer auch ggf. der Arbeitsaufwand des Imkers, durch zusätzliche Völkerkontrollen steigt und zusätzliche Fahrten höhere Kosten bedeuten.

Zusätzlich kann man in solch einem Vertrag auch festschreiben wie die Völker aufgestellt werden. Alle an einer Stelle oder in kleineren Gruppen in der Plantage verteilt. Natürlich ist die Gruppenaufstellung vorteilhaft für die Bestäubung, da die Bestäubungsleistung mit der Entfernung zum Bienenstock abnimmt. Gruppenaufstellung bedeutet aber auch Mehrarbeit und einen erhöhten Zeitaufwand, was den Preis der Bestäubung mit bestimmt.

Wenn die Bestäubung dann erfolgt ist und der Imker seinen Honig geerntet hat, dann bietet es sich an, falls man als Bauer selber seine Produkte über einen Hofladen vermarktet, den Honig des Imkers mit in sein Sortiment zu nehmen und Honig aus dem eigenen Betrieb zu vermarkten. Denn je größer ein Sortiment ist, desto interessanter ist es für den Kunden im Hoflafen seinen Einkauf zu tätigen.

 

Sind Hummeln oder Mauerbienen eine Alternative?

 

Sicher haben auch Sie als Landwirt schon oft Mails bekommen, in denen ihnen Hummeln oder Mauerbienen als Alternative zur Honigbienen angeboten werden. Schaut man dann genauer hin, wird die Wichtigkeit der Bestäubung durch Insekten hervorgehoben, was richtig ist. Es wird zugleich davor gewarnt, dass nicht mehr genug Bienenvölker zur Verfügung stehen und man vielleicht niemanden zur Bestäubung hat, außer man kauft sich rechtzeitig Hummeln oder Mauerbienen.

 

Ich bin mir sicher, dieses stimmt nicht. Im letzten Jahr hatten wir z.B. die Bestäubung im Alten Land mit koordiniert und konnten alle Nachfragen nach Bienen befriedigen und hätten noch wesentlich mehr Völker vermitteln können. Um die Nachfrage zu befriedigen, gibt es jetzt ja auch die Vermittlungsbörse bei Bioland.

Es stimmt auch, dass Hummeln und Mauerbienen schon bei geringeren Temperaturen ausfliegen und nach Nahrung suchen, doch wieviele sind es dann? Vielleicht einige Dutzend pro Hummel oder Mauerbienenvolk? Natürlich kann die Anzahl durch viele Völker gesteigert werden, doch was ist dieses, wenn bei ein paar Grad mehr tausende an Bienen ausfliegen? Diese dazu besonders Sortentreu sind und sich auf die Hauptfrucht konzentrieren. Bienen fliegen möglichst nur eine Blütenart an und dann die, welche am häufigsten vorkommt und lohnend ist. So schaffen sie es dann, dass der Erntezeitpunkt gleichmäßig ist und die Blüte schnell und gleichmäßig verblüht, um nicht in Frostnächten zerstört zu werden. Im Freiland sind Hummeln und Co definitiv keine Alternative zur Biene. Unter Folie kann dieses zutreffen, da normale Bienenvölker zu groß sind. In Sonderfällen müßte ein Imker seine Völker verkleinern und alle 7 Tage austauschen, um den Streß für die Bienen unter Folie zu mindern. Auch müßte er Orientierungspunkte anbringen, was bei den kleinen Hummel oder Mauerbienenvölkern nicht von Bedeutung ist. Aber dann wären auch dort die Bienen überlegen.

Ob der Einsatz von Hummeln und Co einen ökologischen Vorteil für den Betrieb bedeuten kann, muss jeder für sich selbst einschätzen. Die Frage ist aber: Sind die Hummeln, die man geliefert bekommt auch die Arten, welche von Natur aus auf meinem Hof vorkommen und warum haben sie sich nicht selbst dort angesiedelt?